4/7/2018

World Usability Day 2017

Weltweites Band zwischen Forschung, Industrie und Bildung

200 Veranstaltungen in über 40 Ländern

An jedem zweiten Donnerstag im November knüpft der World Usability Day (kurz: WUD) ein weltweites Band zwischen Forschung, Industrie und Bildung. Erstmals wurde er dabei von den beiden Studiengängen Design & Produktmanagement sowie MultiMedia Technology veranstaltet. Etwa 70 Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft kamen an den Campus Urstein, um den spannenden Vorträgen zu lauschen und sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich Usability & User Experience (UX) zu informieren. Einen Vortrag hielt Andreas Bunsen aus dem HUTSCHN Team, den wir sinngemäß hier noch einmal zusammenfassen:

Braucht man wirklich eine Schaukel für 433 Euro, sind Kühe lila und ist Geiz wirklich so geil?

Eine naheliegende Frage innerhalb des Vortrages von Andreas Bunsen zur HUTSCHN® war auch: „Braucht“ man wirklich eine Schaukel für stolze 433.- Euro? Als wir unsere erste HUTSCHN® aus purem Spaß für uns selbst gebaut haben, stellten wir schnell fest, wieviel Zeit und Mühe es tatsächlich braucht, wenn man alles rein handwerklich macht, z.B. die Seile von Hand verspleisst, oder das Sitzbrett aus regionalem Holz nur manuell bearbeitet und bewusst auf Automatisierung verzichtet. Letztendlich ist es doch wie mit allen Produkten:Man kann die Lederhosen beim regionalen Lederhosenmacher in der Säcklerei machen lassen, freut sich ein Leben lang daran, vererbt sie sogar an die nächste Generation, oder man entscheidet, die billige Industrieware aus Fernost zu kaufen. Es geht immer alles einfacher und billiger. Eine einfache Schaukel „Made in China“ gibt es im Baumarkt oder Internet für deutlich weniger Geld. Und damit sind wir bei einem Thema, das uns immer wieder umtreibt. Das scheinbare Schnäppchen, das „billige“ Produkt hat Konsequenzen. Es geht in der Regel schneller kaputt. Es hat ökologische Konsequenzen. Und es vernichtet Arbeitsplätze.

Wir erleben zunehmend, wie Unternehmen Pleite gehen, die blind auf den Billigtrend setzen. Es wird zum Standard, dass Menschen immer schlechter bezahlt werden. Arbeiten am Limit ist ein Dauerzustand. Branchenübergreifend. Teilzeitarbeit und Lohndumping sind die Altersarmut von morgen. Das geht uns alle an. Schaut in die Medizin: Hebammen, Altenpfleger, Krankenschwestern und junge Ärzte leiden unter zunehmend miesen Arbeitsbedingungen. 

Lohn- und Sozialdumping sind salonfähig geworden. Air Berlin hat in diesem Preiskampf gerade aufgeben müssen. Da war Schlecker, da sind Skandale im Lebensmittelbereich. Da ist das Gift Fipronil in unseren Eiern. Da sind Antibiotika in unserem Fleisch. Die Liste scheint endlos. Und warum? Weil alles immer billiger werden muss? In Zeiten, wo man für € 20.- nach Mallorca fliegt, es ein T-Shirt im Schnäppchenmarkt für einen einzigen Euro zu kaufen gibt und gleichzeitig die Textilfabriken in Bangladesh über den Arbeitern einstürzen, sollte ein Blick über den Tellerrand schon mal drin sein. Denn diese tödliche Preisspirale - dieses „Geiz ist geil“ kommt wie ein Boomerang zurück. Wenn wir Arbeit, Produkte und deren Herstellung immer mehr entwerten, dann trifft es unweigerlich irgendwann auch unseren eigenen Arbeitsplatz. Und das haben wir mit unserem Konsum ein gutes Stück weit in der Hand. Wir können entscheiden, was wir kaufen - und was wir evtl. gar nicht wirklich brauchen.

Als wir zum Sendung mit der Maus Türöffner Tag in die Werkstatt eingeladen haben, hat uns ein Kind erstaunt gefragt, wo denn die Roboter sind und die Maschinen „aus denen die Schaukeln rausfallen“. Das ist ein bisschen wie mit den „lila Kühen“ aus der Schokoladenwerbung nach denen Kinder suchen, die zuvor nie eine echte Kuh gesehen haben. Die verzerrten Bilder der Werbung und das „Geiz ist geil“ haben uns geprägt. Zu sehr finden wir. Aber bei aller Kritik - es gibt Hoffnung. Schaut Euch z.B. die genossenschaftliche Molkerei Berchtesgadener Land an. Schon lange wird den Bauern bundesweit der höchste Milchpreis gezahlt. Zunehmend beginnen Menschen im Rahmen Ihrer wirtschaftlichen Möglichkeit umzudenken. Vielleicht leiste ich mir doch lieber mal ein Päckchen Bio-Butter und verzichte an anderer Stelle? Keine Frage - ein Monat kann verdammt schnell rum sein, das Konto leer und je nach Lebenssituation und Einkommen kann das auch schnell mal alternativlos sein mit der „Wahl“. Aber im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten kann es Alternativen geben. Und auch kleine Schritte können auf Dauer große Auswirkungen haben!

Viele Produkte werden heute leider so produziert, dass sie es gerade mal so über die Garantiezeit hinaus schaffen. Diese sog. geplante Obsoleszenz ärgert viele von uns zunehmend. Man kauft die Markenspülmaschine und wie von Geisterhand- kurz nach Ablauf der Garantiezeit - geht sie zufällig kaputt. Die angerufene Servicehotline rät direkt zum Neukauf, da eine Reparatur wahrscheinlich ohnehin zu teuer wäre. Das alles nutzt vielleicht noch der Kasse des Herstellers, oder den Aktionären, aber es ist so frustrierend für uns Verbraucher und eine riesen Sauerei für die Umwelt. Man findet hierzu unzählige Beispiele. Und da kommen wir zu der eingangs gestellten Frage. Nein, man „braucht“ keine Schaukel für € 433.-, so wie man beim nochmal darüber Nachdenken nicht wirklich alles haben muss, was einem die Werbung glauben macht. Weniger ist manchmal mehr. Aber wenn man entscheidet, etwas zu kaufen, dann kann man sich vielleicht beim nächsten Kauf fragen, ob es seinen Preis auch wert ist. Aspekte wie Qualität, Langlebigkeit, seine Herkunft, die ökologische Bilanz und einfach auch die Geschichte dahinter können dann zu einem nachhaltigen Erlebnis werden, an dem man lange und immer wieder neu Freude haben kann. Weiterer Information auch unter: https://www.germanupa.de/berufsverband-german-upa/aktuelles/rueckblick-world-usability-day-wud-fachhochschule-salzburg